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Unsere Favoriten

Favoriten sind unsere aktuellen Herzensstücke – jene Beiträge und Inhalte, mit denen wir regelmäßig arbeiten und auf die wir rasch zugreifen möchten. Sie spiegeln, was uns gerade besonders inspiriert, und wechseln mit der Zeit.

aktuell zum diskutieren

Empfohlene Videos: Geld in der Literatur

 Haben Sie sich das auch schon mal gefragt: Was ist Geld eigentlich? Wir alle tun ja gern so, als wüssten wir's. Zahlen, Scheine, Zahlen auf dem Bildschirm -- oder? Aber was, wenn alles, was wir über Geld zu wissen glauben, nur eine gut erzählte Geschichte ist? Eine Fiktion?

Heute nehmen wir diese Geschichte mit Hilfe der Literatur auseinander. Denn Romane, Dramen und Volksbücher erzählen oft mehr über das Wesen des Geldes als Wirtschaftstheorien.

Fangen wir mit dem an, was Geld uns verspricht: Reichtum, Freiheit, Macht. Schon im alten Volksbuch „Fortunatus" von 1509 bekommt der Held die Wahl -- endlose Weisheit oder einen Geldbeutel, der sich niemals leert. Fortunatus denkt nicht lang nach: her mit dem Beutel! Klingt logisch -- wer braucht schon Weisheit, wenn er alles kaufen kann? Das ist die Urfantasie vom Reichtum ohne Mühe.

 

 

Aber dann kommt der Realitätscheck -- zum Beispiel mit dem Klassiker „Der reichste Mann von Babylon". Da heisst es: Leg mindestens ein Zehntel von allem, was du verdienst, zur Seite, sofort. Dann, Regel 2 Behalte die Kontrolle über deine Ausgaben. Klingt simpel, ist aber entscheidend. Drittens: Lass dein Geld für dich wirken, also investiere dein Erspartes klug. Und zu guter Letzt, Regel Nummer 4:  Werde immer besser in dem, was du tust, um eben auch mehr verdienen zu können. Das ist sozusagen der Gegenentwurf zur Magie, der disziplinierte echte Weg zum Wohlstand. Da gibt's keine Magie, nur eiserne Disziplin.

 

 

Bei Max Frisch geht's ums grosse Thema Identität. In „Stiller" (1954) steht der Protagonist -- ein Mann, der seine Vergangenheit verleugnet und behauptet, „Ich bin nicht Stiller" -- exemplarisch für den Kampf um Identität. Stiller will sich der Rolle entziehen, die andere ihm zuschreiben: Ehemann, Künstler, Schweizer Bürger. Er versucht, durch das Spiel mit Identitäten frei zu werden. Doch der Versuch scheitert: Die Gesellschaft, das Rechtssystem, die Sprache selbst -- alles zwingt ihn zurück in die alte Form. „Ich bin Stiller" wird zum Bekenntnis seiner Niederlage, aber auch zu einem Moment der Erkenntnis: Identität ist nicht frei wählbar, sondern entsteht im Spiegel der anderen.

 

 

In „homo faber" (1957) ist die Entwicklung fast spiegelbildlich: Walter Faber kämpft nicht mehr um Identität -- er funktioniert. Als rationaler Techniker hat er sich mit der ihm zugedachten Rolle abgefunden. Er lebt nach den Prinzipien der Vernunft, der Effizienz, der Kontrolle. Doch gerade diese selbstgeschaffene Rationalität wird zur Falle: Sie verdrängt das Emotionale, das Zufällige, das Lebendige.

 

 

Doch Geld hat auch seine dunkle Seite. Friedrich Dürrenmatt zeigt sie in „Der Besuch der alten Dame". Da kommt eine steinreiche Frau zurück in ihre Heimatstadt und bietet den Bewohnern ein Vermögen -im Tausch für den Tod eines Mannes. Der Preis für ein Menschenleben: eine Milliarde. Und plötzlich wird klar: Alles hat einen Preis -- auch der Mensch.

 

 

Ähnlich finster geht's bei Bertolt Brecht zu. In „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" darf man alles -- solange man's bezahlen kann. Das einzige Verbrechen dort? Pleite sein. Willkommen im Kapitalismus pur!

 

 

Und dann gibt's die Illusion vom Reichtum. Denken Sie an Mark Twains Million-Pfund-Note: Ein Mann hat einen Schein über eine Million Pfund, kann ihn aber gar nicht ausgeben. Trotzdem wird er wie ein König behandelt. Allein die Tatsache, dass er ihn hat, also die reine Wahrnehmung seines Reichtums, öffnet ihm jede Tür. Er gibt keinen einzigen Penny aus. Das beweist, die Illusion von Geld ist manchmal mächtiger als das Geld selbst.

 

 

Émile Zola treibt das noch weiter: In „Das Geld" beschreibt er die Pariser Börse als Bühne eines gigantischen Theaters -- Gewinne, Verluste, alles pure Fantasie. Geld wird hier zur Religion, die auf Glauben basiert, nicht auf Arbeit.

 

 

Etwa zur gleichen Zeit in Genf: dort erfasst Henri-Frédéric Amiel in seinem Journal intime dreissig Jahre lang sein Leben -- Seite um Seite. Hans Peter Treichler folgt diesen Aufzeichnungen und zeichnet ein eindrückliches Porträt des Gelehrten. Im Mittelpunkt: Amiels Verhältnis zum Geld -- eine faszinierende Ökobiografie aus dem Conzett Verlag.

 

 

Und dann kommt Jeremias Gotthelf mit seiner „Käserei in der Vehfreude". Schauen Sie sich diese Chronik des Scheiterns an. Jahr 1. Wir haben ein stabiles, traditionelles Dorf. Gemeinschaft zählt. Jahr 2. Eine moderne Käserei wird gebaut, die riesige Gewinne verspricht. Plötzlich geht es nur noch ums Geld. Jahr 3. Gier und Spekulation haben die alten Werte und die Moral komplett ersetzt. Und Jahr 4. Das ganze Ding bricht zusammen. Übrig bleiben wirtschaftliche und vor allem soziale Trümmer. Eine Warnung, die heute vielleicht aktueller ist als je zuvor.

 

 

Klingt nach 19. Jahrhundert? Von wegen! Heute sehen wir das wieder. J.D. Vance beschreibt in „Hillbilly Elegy" den amerikanischen Traum, der zum Albtraum geworden ist. Ganze Regionen bleiben zurück, Armut und Drogen breiten sich aus, während an der Wall Street die Zahlen tanzen. Der Traum vom Aufstieg? Für viele nur noch eine bittere Lüge. Eine Anklage des amerikanischen Vizepräsidenten - mit politischen Konsequenzen.

 

 

Und genau hier landen wir bei der entscheidenden Erkenntnis: Geld ist keine Naturkraft. Es fällt nicht vom Himmel wie Regen. Es ist, wie Eske Bockelmann sagt, eine Denkform -- ein menschliches Konstrukt, das wir selbst erschaffen haben.

Die Forderung, wie sie zum Beispiel auch im Umfeld von Norbert Koubecks Arbeit formuliert wird: Was es braucht, ist nichts weniger als eine Aufhebung von Geld als Denkform. Dieser Gedanke klingt utopisch. Aber er zwingt uns über die fundamentalen Spielregeln unserer Welt nachzudenken. Und genau das führt uns zur folgenden Frage. Wenn Geld wirklich nur eine Geschichte ist, die wir Menschen uns irgendwann mal ausgedacht haben, wer sagt dann, dass wir nicht auch eine andere schreiben können, vielleicht sogar eine bessere? Eine Geschichte, in der nicht Gier, sondern Gemeinschaft zählt?

 

Letzte Änderung:25/04/2026

Lust auf einen Krimi? - Detektiv Frank Calloway ermittelt in Sachen Geld

Link zum Spielfilm

Letzte Änderung:26/04/2026

Das Villach-Projekt

Bei Verantwortung ERDE in Villach AT haben sich Menschen gefunden, die den Wandel, den sie sich in unserer Welt wünschen, seit zehn Jahren leben. Gemeinsam suchen sie nach lokalen Lösungsansätzen für die grossen Probleme unserer Zeit. Gemeinsam probieren sie sie aus und reflektieren, was sie tun. Die ERDE ist weder ein Verein noch eine Partei, obwohl sie mit fünf Sitzen im Gemeinderat und einem Sitz in der Stadtregierung von Villach vertreten ist. Sie selbst bezeichnet sich als Bewegung.

 


Das MoneyMuseum ist im Rahmen seiner Forschungen zum Thema «Wirtschaften mit und ohne Geld» auf die Bewegung aufmerksam geworden. Seit Jahren besuchen wir uns gegenseitig und führen zusammen Projekte durch. Der Film ist eine Hommage an all die Menschen, die sich in den vergangenen zehn Jahren in der ERDE engagiert haben, jede und jeder auf seine Weise.

Letzte Änderung:28/01/2026

Vontobel Schriften als Podcast

Letzte Änderung:17/10/2025

Eske Bockelmann Studien

Eske Bockelmann ist ein Forscher mit der seltenen Gabe, dem Geld präzise Begriffe zu geben. Denn ohne klare Begriffe bleibt jede Diskussion im Chaos stecken – wie so oft beim Thema Geld. Indem er diese sprachliche Grundlage geschaffen hat, legte er einen festen Baustein im Wissensfundament des MoneyMuseums, auf dem seither viele Gespräche und Einsichten aufbauen.

Einführungsvideos von Eske Bockelmann

Letzte Änderung:29/06/2025

Geld als Denkform

Letzte Änderung:29/06/2025

Im Takt des Geldes, 2004

Was haben Musik, Technik und Geld gemeinsam? Ihnen allen liegt ein Takt oder eine Taktung zugrunde. Diese verblüffende Erkenntnis von Eske Bockelmann veranschaulicht er in seinem Werk „Im Takt des Geldes“. Es ist kein Zufall, dass man in Europa Rhythmus fast nur noch in Takten misst – und zwar genau seit dem Entstehen des Kapitalismus. Zufall?

 

Oder besuchen Sie den fünf-teiligen Kurs des MoneyMuseum. 

Letzte Änderung:24/08/2025

Abschaffung des Geldes

Abschaffung des Geldes: Die Abschaffung des Geldes ist bei Bockelmann kein utopischer Ruf nach einer Rückkehr in vormoderne Zeiten, sondern die Konsequenz aus der Erkenntnis, dass Geld als gesellschaftliche Einrichtung nicht naturgegeben, sondern historisch geworden ist – und damit auch historisch überwindbar wäre. Er argumentiert, dass der Zwang zur Geldvermehrung, der Kapitalismus, Konkurrenz, Staatenbildung und globale Expansion hervorbrachte, nicht ewig sein muss.

Letzte Änderung:01/07/2025

Eske Bockelmann spricht über Geld:kritisch

Eine seltene Sammlung zur Evolution des Geldes – vom Warengeld bis zum Kreditgeld, mit all den tiefgreifenden Veränderungen, die diesen Weg begleitet haben. In 21 prägnanten Videos zu je genau vier Minuten werden sieben zentrale Aspekte des Geldes beleuchtet – ein kompaktes, aussergewöhnliches Wissenspanorama.

Die hier präsentierte Methodik gliedert die Frage «Was ist Geld?» in sieben Kategorien. In sieben Rubriken bewegen wir uns Schritt für Schritt von vertrauten Dingen hin zu weniger Vertrautem: Von den Münzen und anderen Erscheinungsformen, in denen Geld auftritt, über die Beziehungen, die es zwischen Menschen und den Dingen stiftet, bis hin zu Geld als Denkform.

 

 Booklet mit allen Texten

 


Geld und Material

 

Archaische Zahlungsmittel: Am Ursprung unseres Geldes liegt nicht der Tausch, sondern die archaische Zahlung: die Überreichung bestimmter Gegenstände zum Ausgleich einer Schuld oder zur Einlösung einer Verpflichtung. Je nach Gemeinschaft und Gelegenheit wurden viele unterschiedliche Dinge zu Zahlungen verwendet. Damit dienten sie jedoch nicht schon zu Geld, mit dem man etwas hätte kaufen können.

Münzen und Banknoten: Gemeinwesen bestimmen als Norm für Zahlungen regelmässig eine besondere Art von Dingen, in denen alle übrigen Zahlungsmittel nach Wert bemessen werden. Besonders erfolgreich sind dabei Münzen: geprägte Edelmetallstücke in festgelegten Gewichtseinheiten. Erst solche normgebenden Zahlungsmittel finden auch Verwendung als Tauschmittel und insofern als Geld. In dieser Funktion lassen sich Münzen schon verhältnismässig früh durch entsprechende Papiere ersetzen.

Digitales Geld: Wo das Wirtschaften einer Gesellschaft hauptsächlich auf dem geldvermittelten Austausch von Waren beruht, muss Geldwert nicht mehr selbst in Gestalt von Dingen wie Münzen oder Banknoten auftreten. Ohne materielle Substanz hat er seine Existenzform idealerweise in blossen Daten, als digitales Geld. Bitcoins machen daraus den Ernstfall, dass sie allein per Computer auch geschöpft werden.


Geld und Zeit

 

Die frühen Formen von Geld waren während Jahrhunderten nachgeordneter Teil einer Versorgung, die hauptsächlich über Selbstversorgung oder über Verteilung durch die Mächtigen verlief. Das ändert sich erst im Lauf des 16. Jahrhunderts mit dem Entstehen der kapitalistischen Wirtschaft. In ihr hängt die gesamte Versorgung der Menschen notwendig von Geld ab.

In einer Gesellschaft, in der die Menschen für ihr Auskommen zur Hauptsache auf Geld angewiesen sind, müssen sie für das, was sie tun oder herstellen, mehr Geld bekommen als sie dafür aufgewendet haben. Allein diese Notwendigkeit ergibt unausweichlich den Zwang, dass Geld im Zeitverlauf zu mehr Geld werden muss. Geld, von dem eine Gesellschaft lebt, muss als Kapital fungieren. 

Mehr Geld, mehr Wohlstand für alle: ein trügerisches Versprechen. Der immense Druck, mit dem Geld zu Arbeitsteilung, aber auch Ausbeutung der Welt zwingt, mag im Durchschnitt zu gehobenem Wohlstand führen. Doch dem wirken nicht nur die Zerstörungen entgegen, mit denen diese Ausbeutung einhergeht, sondern vor allem auch die notwendig steigende Ungleichheit der Verteilung. Die Kapitalfunktion von Geld muss Gewinne dort konzentrieren, wo viel Kapital zum Einsatz kommt.


Geld und Macht

 

Eigentum bedeutet nicht grundsätzlich den Ausschluss der anderen. Es gibt einschliessende und ausschliessende Arten von Eigentum mit sehr unterschiedlichen Folgen für den Umgang der Menschen untereinander und mit der Natur. Unser Geld setzt ein Privateigentum voraus, das rigoros alle von allem ausschliesst, wofür sie kein Geld zahlen.

Weltweit sind Menschen gezwungen, etwas zu verkaufen, um zu dem Geld zu kommen, das sie zum Leben brauchen. Was die meisten zu verkaufen haben, ist allein ihre Arbeitskraft und für sie wird nur gezahlt, sofern ihr Einsatz in der Produktion von Waren Gewinn abwirft. Mit dem Geld, das jemand für die so produzierten Waren zahlt, verfügt er also grundsätzlich über die Arbeit anderer.

Keine Münze, keine Banknote, keine Zahl auf einem Konto kann jemanden dazu zwingen, sie als Geld zu verwenden. Es sind die Staaten, von denen dieser Zwang ausgeht und aufrecht erhalten wird: Sie geben Geld als Währung aus und schreiben die Verwendung von Geld gesetzlich vor. Sie selbst alimentieren sich über Geld und hängen davon ab, dass möglichst viel davon in ihrer jeweiligen Währung erwirtschaftet wird.


Geld und Beziehung

 

Geld hat jeden als einzelnen Geldbesitzer zu seinem Bezugspunkt und setzt ihn zugleich in Bezug auf die anonyme Gesamtheit aller anderen Menschen als Geldbesitzer. Dieser abstrakte Bezug formt in jedem eine eigene Instanz von «Ich» als einer gedachten Reinform seines Selbst. In diesem Sinn gibt es das Ich als psychologische Instanz erst seit der Neuzeit und unter der Herrschaft des Geldes.

Jeder Mensch muss tun oder produzieren, wofür andere ihm Geld geben. Aber er tut es nicht für sie, weil er sie kennt, und sie tun es nicht für ihn, weil sie zu seiner Versorgung beitragen wollen. Vielmehr müssen alle je für sich damit zu Geld kommen. Eine auf solche Weise gestiftete Verbindung der Menschen ist keine Gemeinschaft, sondern abstrakte Gesellschaft: ein geldvermittelter Zusammenhang.

Erst mit dem Aufkommen des neuzeitlichen, kapitalistischen Geldes wird die Welt zur Umwelt. Das auf sich selbst bezogene Geldsubjekt sieht sich als ein geschlossenes Innen umgeben von einem gesamten Aussen. Und in dieser Weise behandeln und misshandeln die Geldsubjekte die Welt notwendigerweise tatsächlich: als würden sie nicht zugleich selbst zu ihr gehören.


Geld als Denkform

 

Geld verlangt es einem jeden ab, Waren zugleich als das jeweilige Ding und als Geldwert zu denken, also rein quantitativ. Das zwingt zu einer Denkform, die sich zu Beginn der Neuzeit besonders deutlich in einer Revolution der Mathematik zeigt: in dem Aufkommen der mathematischen Funktion. Eine Funktion formuliert, egal welchen Inhalt, rein quantitativ in Variablenwerten.

Bedingt durch die geldvermittelte Gesellschaft entsteht die Vorstellung einer in Subjekt und Objekt gespaltenen Welt. Descartes ist zu Beginn des 17. Jahrhunderts der erste, der diese damals neue Vorstellung ausformuliert. Sie deutet die Welt aufgespalten in das Bestimmende, das Geld als Subjekt, und in das von ihm Bestimmte, die Ware als Objekt. Diese Aufspaltung hat im kapitalistischen Geld ihre Wirklichkeit und wird dem Denken zugleich zu einer geldkonformen Deutung der Welt.

So wie wir mit Geld alles und jedes kaufen können, sehen und deuten wir alles und jedes auch in der Form, die es dabei durch Geld annimmt: als Wert unter Werten. In der Form rein quantitativer Werte denken wir auch dort, wo wir uns nicht unmittelbar mit Gelddingen beschäftigen, weil uns diese Denkform als solche zur Selbstverständlichkeit wird. Sie zeigt sich wirksam in unzähligen Anwendungen.


Geld und Tausch

 

Weil Geld heute als Tauschmittel fungiert, wird allgemein der Tausch als sein Ursprung angesehen – zu Unrecht. In Gemeinschaften, die kein Geld im heutigen Sinn kennen, hat entscheidende Bedeutung die Überreichung von Gaben. Sie aber dient vornehmlich nicht dem Tausch, sondern hat im Zusammenhang mit anderen Verhaltensweisen den Sinn, eine grundsätzlich gegenseitige Verpflichtung der Menschen einzulösen und zu bekräftigen.

Beim Kauf wechseln Geld und Ware jeweils aus dem Besitz des einen in den Besitz des anderen. Ist dieser Tausch vollzogen, so ist jede Verpflichtung zwischen den Beteiligten erfüllt und beendet. Der Kauf ersetzt das umfassende Verpflichtetsein der Menschen untereinander durch eine einzige Verpflichtung: einem anderen etwas mit Geld zu bezahlen. So ist der Kauf verpflichtende Liquidation und Liquidation der Verpflichtung in einem.

Lange Zeit, bevor es zu «dem» Markt kommt, gab es nur lokale Märkte, die zeitlich und in ihrem Angebot an Waren streng begrenzt waren. Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts ergibt sich in Europa ein Markt im modernen Sinn mit einem zusammenhängenden Preisbildungsgefüge. Diese Einrichtung, die dann der Marktwirtschaft ihren Namen gibt, geht einher mit der Verwandlung von Geld zum universalen Tauschmittel.

 


Über Geld hinaus

 

Die meisten Überlegungen, wie den Schwierigkeiten mit dem Geld beizukommen wäre, richten sich auf das Geld selbst: Sie wünschen es sich krisenfrei. Dementsprechend konstruieren sie in Gedanken ein Geld, das bestimmte Nachteile ablegen würde und auf seine Vorteile eingeschränkt wäre. Andere Ansätze praktizieren alternative Geldkreisläufe unterhalb des regierenden Weltgeldes, die in manchem bereits real von dessen Logik abweichen.

Die Bewegung der Commons setzt der über Geld vermittelten Versorgung eine gemeinsame Teilhabe an Tätigkeiten und grundlegenden Gegebenheiten wie dem Besitz entgegen. Im Kern der Bewegung ist angelegt, dass über das gewollte und gewünschte Gemeinsame allein die Gemeinschaft entscheidet, ohne Bindung an die Zwänge, die mit dem Geld eingerichtet sind.

Wovon die Menschen leben und wie sie es verteilen, müsste grundsätzlich anders geleistet werden als vermittelt über Geld. Soll sich der hohe Grad an Arbeitsteiligkeit bewahren, ist eine Rückkehr zu älteren Formen der Subsistenz ausgeschlossen. Die unter dem Geldzwang extrem gesteigerte Fähigkeit der Menschen, besser und mit weniger Aufwand zu produzieren und das Produzierte genauer zu verteilen als je zuvor, wäre unbedingt zu nutzen – nur anders als mit Geld und seinen Zwängen etwa zu Wachstum und zu einer Produktionsweise, die die Welt zugrunde richtet. 

Letzte Änderung:19/10/2025

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